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Die Erkenntnis, dass Frauen systemrelevant sind, ist so neu sicherlich nicht. Aber schön, dass auch diese Nachricht in den Corona-Zeiten in den Medien ihren Platz gefunden hat. Denn schliesslich bezeugen doch ein paar wesentliche Qualitäten der Frauen ihre Systemrelevanz. Ohne Frauen gäbe es die Menschheit nicht mehr. Okay, zu trivial?

Wie wäre es damit: ohne Frauen hätte es nach dem Zweiten Weltkrieg das grosse Wirtschaftswunder nicht gegeben. Denn es waren Frauen, die weiterhin Kinder geboren haben, diese versorgten, unterrichteten und erzogen, die aus dem Krieg rückkehrenden Männer gesund pflegten und so ganz nebenbei aus den Trümmern die Infrastruktur für die goldenen Jahre geschaffen haben. Zur Belohnung sind sie zum Teil zur vermeintlichen Erholung in ihre neu-aufgebauten Haushalte wie in einem goldenen Käfig gehalten worden. Die Erholung hatten die Frauen sicherlich auch nötig nach den vielen entbehrlichen und harten Jahren. Die Quintessenz, die sich daraus ergab, dass Frauen sich über viele Jahrzehnte auf die häusliche Rolle als Mutter und Ehefrau zurückgezogen haben, wollten die Frauen sicherlich so auf die Art bewusst nicht.

Und hier ist der Hund begraben: es war unachtsam und unüberlegt von den Frauen und von mir aus von manchen klugen Männern ausgenutzt worden. Warum ich von den klugen Männern hier spreche? Denn die Männer, die klug und vorausschauend waren und die systemischen Folgen für sich davon absehen konnten, was passiert wäre, wenn die Frauen spätestens nach dem Wiederaufbau gleichwertig im Beruf geblieben wären, taten aus Selbsterhalt das einzig Richtige für sich: sie bauten für die Frauen einen schönen Erholungsort und gaben ihnen zunächst die Illusion von Achtung und Respekt. Vielleicht war es zu Anfang und ist es sogar noch eine Haltung von Achtung und Respekt der Männer gegenüber den Frauen.

Die Erholung nahm also für viele Frauen ihren Lauf. Das persönliche Heim nahm einen wichtigen gesellschaftlichen Faktor ein. Es gab dem Mann ein Ansehen, dass er in der Lage war für seine Frau und Familie zu sorgen. Und die Frauen verstanden sich lange Zeit auch als wichtige Unterstützerinnen in diesem gemeinsamen Team. Das funktioniert bis heute auf diese Art und Weise immer noch und der Ausspruch, dass hinter jedem starken Mann eine starke Frau steht, gilt ebenfalls immer noch. Ich hoffe, dass ich mit dem Beispiel der Obamas ein bekanntes und weitestgehend anerkanntes Beispiel für diese Zusammenarbeit zwischen Frauen und Männer wähle.

Irgendwann wandelten sich die Zeiten. Die Frauen drängten wieder zurück auf den Arbeitsmarkt und beanspruchten gute Positionen für sich und nicht nur die der Putzfrau, der Sekretärin oder Produktionshilfe. In der medizinischen Versorgung, der Pflege und dem Verkauf waren sie jedoch die ganze Zeit über tätig.

Wie kann es also sein, dass Frauen in so vielen systemrelevante Berufen und Positionen deutlich weniger finanziell entlohnt werden, wie Männer?

Nun geht es in diesem Beitrag darum, welche Erkenntnis wir daraus als Frauen vorallem ziehen wollen, dass nun wenigstens für kurze Zeit ans Licht gekommen ist, dass Frauen einen durchgehend wichtigen Arbeitsdienst erledigen. Darum ist die Frage, warum verdienen Frauen nicht genauso viel, wenn nicht sogar mehr, als Männer? Warum gibt es so wenig Frauen in Führungspositionen?

Ich kann mir vorstellen, dass bei der folgenden Ausführung der Blutdruck so mancher Frau in die Höhe steigt. Aber ich spreche hier aus beruflicher Erfahrung und dem Erleben von Frauen in Bewerbungszeiten. Denn in der Kunst sich selbst darzustellen, sind viele Frauen nicht besonders geübt bzw. auch nicht willig, sich zu üben. Insbesondere Frauen verurteilen die männliche Selbstvermarktungskunst auf dem Arbeitsmarkt zutiefst. Für sie ist es ein narzistisches Gehabe und widert sie an. In mancher Ausprägung ist dies sicherlich wahr, aber im Grossen und Ganzen können Männer mit dieser Selbstvermarktung besser erreichen, was sie erreichen möchten. Sie stellen ihre Qualitäten heraus und lassen sich dafür so gut wie möglich bezahlen. Sie positionieren sich so, dass die Mit-Bewerber weniger qualitativ geeignet erscheinen. Nein, nicht alle Männer sind Schweine und schon gar nicht alle, die in höheren Führungspositionen sitzen. Ansonsten schauen Sie bitte als Frau auch mal genauer hin, wenn sich der „normale“ Mann versucht über Sie als Frau zu erheben: Erkennen Sie nicht, dass auch Männer unsicher sind und dies gern mit einem grossen, wichtigen Getue überspielen wollen? Frauen ziehen sich aus Unsicherheit eher zurück und Männer tun das Gegenteil.

Okay, kommen wir wieder zu den Frauen. Spätestens jetzt sollte sich insbesondere jede Frau überlegen, ob ihr ein vom Herzen kommendes Klatschen der Umwelt ausreicht als Lohn ihres Arbeitseinsatzes. Natürlich sind es nicht nur Frauen, die den Applaus bekamen. Aber hier geht es jetzt gerade mal kurz nur um das Frau-Sein. Entschuldigen Sie, dass ich hier keinen kompletten Diskurs zum Thema Lohn für bestimmte Berufsgruppen beginnen möchte.

Es ist jetzt allerspätestens an der Zeit, dass sich die Frauen die Zeit für sich nehmen und wahrnehmen, über wieviele Qualitäten und Kompetenzen sie verfügen, die Männer so nie erreichen können. Es ist Zeit aufzuhören, die Qualitäten der Männer auf der weiblichen Ebene nachweisen zu wollen. Daraus wird kein schicker Schuh! Im Marketing sprechen wir stets von dem USP – dem unique selling point eines Produktes oder Dienstleistung. In der Selbstvermarktung der Frauen, um besser honoriert zu werden in der Arbeitswelt, ist es unablässig, dass sich jede Frau ihres USPs klar wird, also ihres Alleinstellungsmerkmals.

Ich erlebe täglich in meiner Arbeit, dass hier noch viel Luft nach oben ist. Und das ist die gute Nachricht und nicht die schlechte. Denn das heisst mit anderen Worten: die Frauen, die jetzt in der Corona-Krise nur ein herzliches Klatschen für ihr Engagement erhalten haben, demnächst das Klatschen und den besseren Lohn und in besseren Positionen erhalten können. Auch hier gilt: man kann nur sich selbst ändern und niemals seine Umwelt. Frauen können Männer nicht ändern. Es ist wichtig, sich gegenseitig zu ergänzen und zu respektieren und trotzdem für sich selbst einzustehen. Vergleiche zwischen Frauen und Männern sind genauso zum Scheitern verurteilt, wie der Vergleich zwischen Birnen und Äpfeln. Die Einen haben nur gemeinsam, dass sie Menschen sind und die Anderen, dass sie Obst sind. Ja, und?

Also Lektion des Tages: Es ist etwas Gutes sich die eigenen Alleinstellungsmerkmale als Mensch, deshalb auch als Frau, bewusst zu werden und diese nach Aussen zu kommunizieren. Das hat einen wunderbaren Nebeneffekt: die Anderen wissen besser, wofür “Frau” zu gebrauchen ist und wenn dieses Etwas “Mann” nutzt, dann wird er schlau genug sein, sich dieses Etwas zu bedienen. Kein Aber: erst Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten und dann weiter argumentieren meine Mit-Damen! Für Frauen ist das kein Problem, sagt Max Raabe in seinem Lied an die Frauen.